Graggenauer Viertel

Nördliches Graggenauer Viertel mit Residenz

 

Der Modellausschnitt zeigt die Münchner Residenz in dem Zustand, wie sie auch im Stich von Michael Wening (1701) zu sehen ist. Der westliche Flügel mit der einheitlichen Fassade zur Residenzstraße und dem Kaiserhof wurde bereits unter Maximilian I. Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet, ebenso die Umbauung des diagonal liegenden Brunnenhofes. Auf der Ostseite erkennt man noch die Reste der mittelalterlichen Neuveste mit dem Rundstubenbau, einst ein Bollwerk zur Absicherung des Tores, dem flachgedeckten Georgssaal, dem Christophsturm mit anschließendem Hohen Stock und die Dürnitz. Sandtner sah die Neuveste noch vor den Abbrucharbeiten unter Maximilian I. in ihrem spätmittelalterlichen Zustand. Der runde Zuschnitt der Modellbauplatte gibt den Verlauf des Grabens der einstigen Wasserburg wieder – somit kann angenommen werden, dass die Neuveste einst auf einer eigenen Einsatzplatte im Modell stand. Die späteren Bauten der maximilianischen Periode wurden später zugefügt. Der bis heute bestehende Hofgarten (nicht im Modell) ist noch durch einen Wassergraben von der Residenz getrennt. Die Bollwerke und der breite Graben geben einen guten Eindruck von der einstigen Wehrhaftigkeit der Neuveste, welche die Herzöge auch zum Schutz gegen die Stadt errichteten, wieder. Der vormalige albertinische Hofgarten im Osten der Residenz (16. Jahrhundert) ist bereits mit den kurfürstlichen Zeughäusern überbaut (im Ausschnitt nur teilweise sichtbar). Dieser steht auf einer Insel im Stadtgraben und kann von der Residenz aus durch das alte Burgtor der Neuveste erreicht werden.

Westlich der Residenz steht das Schwabinger Tor, eines der vier Haupttore der Stadt, welches mit Torturm, Zwinger und Flankentürmen besonders gut befestigt ist. Betritt man die Stadt durch dieses Tor, so steht man auf dem Areal des heutigen Odeonsplatzes. Der Kopfbau an der Wegegabelung von Vorderer und Hinterer Schwabinger Gasse (heute Residenzstraße und Theatinerstraße), ein stattliches Bürgerhaus mit Erkertürmchen (zuletzt Wirtshaus „Bauerngirgl“), steht nördlich der heutigen Feldherrnhalle. Die Vordere Schwabinger Gasse ist geprägt vom Gegenüber der kleinteiligen Bebauung des Mittelalters und der regelmäßigen Fassade der Residenz, an die südlich der niedrigere Witwenstock anschließt.

Der südliche Bereich der Residenz ist noch von unregelmäßiger Bebauung geprägt – südöstlich steht noch eine Ecke des Antiquariums frei, direkt davor befindet sich ein Renaissance-Garten mit Exedra. Der Bereich wurde einst Jägerbühel genannt. Südlich davon ist, direkt an der Straße, das Ridler-Regelhaus, ein Frauenkloster mit kleiner Kapelle, zu sehen. Daran schließt östlich der Garten des Franziskanerklosters an, von welchem noch einige Bauten angeschnitten zu sehen sind. Das einst bedeutende Kloster wich nach der Säkularisation dem Königsbau der Residenz, dem Max-Joseph-Platz und dem Nationaltheater.